Schlagwort: Normalzeit

Zeitumstellung: Gesundheitlich ist eine ständige Normalzeit am besten.

IBG-Arbeitsmediziner Helmut Stadlbauer spricht sich entschieden für eine Beendigung der Zeitumstellung aus. Medizinisch gesehen spräche mehr gegen als für eine Zeitumstellung.

Die innere Uhr kann zwar vom Licht vor- und zurückgestellt werden. Sie arbeitet jedoch selbstständig und tickt auch bei einer Zeitumstellung zunächst unverändert weiter. Subjektiv wird dies nicht selten anders erlebt: Viele Menschen  empfinden die Sommerzeit als eine Verbesserung ihrer Lebensqualität – vor allem ihrer Freizeitqualität!

Kehrseiten der Medaille

Gesundheitlich ergibt sich dabei allerdings ein Belastungspotential: Gerade späte Chronotypen schlafen durch die Sommerzeit noch weniger. Dabei nimmt die Schlafdauer während der letzten hundert Jahre ohnehin ab. Immer mehr Aktivität wird in immer mehr Wachzeit gepackt: Die Zeit für Arbeit, Kinder, Freunde, Freizeit wird meist von der Ruhezeit abgezweigt. Job und Lebensstil haben direkten Einfluss auf die Schlafqualität – und damit die Gesundheit.

Freizeit erhält erhöhtes Augenmerk

Gesundheitlich problematisch ist dabei die weitverbreitete Einstellung, in der die Qualität der Arbeitszeit hinter der Qualität der Freizeit gereiht wird. Motto: In der Arbeit ist egal, wenn ich müde bin. Hauptsache, in der Freizeit ist es noch hell. Die Konsequenzen sind für den arbeitenden Menschen langfristig negativ.

Arbeiten gegen die innere Uhr

Generell beginnen aus medizinischer Sicht unsere Arbeitszeiten viel zu früh. Dies gilt vor allem auch für die Schulzeiten. Der chronobiologische Normaltyp würde gerne von 24 bis 8 Uhr schlafen, wenn er könnte – und genau das ist anzustreben. Der frühere Start in den Tag bedeutet Arbeiten gegen die innere Uhr. Das Ergebnis ist  ein sozialer Jetlag. Also sind Arbeitsbeginnzeiten vor 9 oder 10 Uhr völlig unphysiologisch für den Großteil der Bevölkerung, die Frühtypen ausgenommen. Von den Spättypen reden wir dabei noch gar nicht.

Winterzeit ist Normalzeit

Die Sommerzeit verschärft diese Problematik – denn unsere innere Uhr richtet sich in erster Linie nach der Sonne, und nicht nach der gesellschaftlich festgelegten Uhrzeit. Daher plädiert der Arbeitsmediziner für eine dauernde Normalzeit („Winterzeit“) – die stimmt in Österreich sehr gut mit der Sonnenzeit zusammen (was z.B. in Westeuropa nicht der Fall ist, v.a. in Spanien.)

Dazu wäre aber viel mehr Flexibilisierung der Arbeitsbeginnzeiten nach individuellen Veranlagungen zu fordern, also z.B. Gleitzeiten, die ihren Namen auch wirklich verdienen, idealerweise mit möglichen Beginnzeiten zwischen 6 und 12 Uhr! Und dies geht arbeitsmedizinisch sinnvoll mit einer Verkürzung der Wochenarbeitszeit einher. Dann bleibt der moderne Mensch auch im Alter gesund und leistungsfähig.