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Bewusst schlafen, besser leben

Wie uns gute Schlafsysteme dabei unterstützen.

Arbeitsplatzanalysen und Workshops zeigen häufig, dass das Thema Schlafen sehr wichtig und oft sehr präsent ist. Jeder von uns kennt das: wenn wir schlecht schlafen, aus welchem Grund auch immer, so ist der nächste Tag immer ein wenig schwerer zu bewältigen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass wir etwa ein Drittel unseres Lebens schlafend verbringen und der Schlaf eine wesentliche Energiequelle für uns darstellt – nicht nur geistig, sondern auch körperlich. Die Muskulatur soll sich in der Nacht entspannen, die Bandscheiben möglichst entlastet sein. Um dies zu gewährleisten gibt es für das richtige Schlafen eigentlich nur drei Grundregeln, die es zu beachten gilt:

In der Rückenlage soll die Wirbelsäule in ihrer Doppel-S-Form unterstützt werden.
In der Seitenlage soll die Wirbelsäule eine gerade Linie bilden.
In der Früh soll jeder das Gefühl haben, dass er ohne Schmerzen und erholt aufwacht.

Gut Ding braucht Weile

Es kommt nicht auf ein hochmodernes Matratzenmodell oder den Preis an, sondern die individuellen Anforderungen an das Schlafsystem. Wir haben das Glück, dass es im Bereich Lattenrost und Matratzen sehr viele unterschiedliche Modelle gibt, die auch unterschiedliche Bedürfnisse abdecken. Das macht die Auswahl natürlich nicht einfacher, erhöht aber die Chance die geeignete Schlafkombination für sich zu finden. Diese besteht immer aus Lattenrost, Kopfpolster UND Matratze. Der eigentliche Knackpunkt ist, dass wir uns für die Auswahl Zeit nehmen müssen – wir verwenden eine Matratze etwa 10 Jahre, also zahlt sich der Zeitaufwand auf jeden Fall aus. Da es hier um unsere Gesundheit geht, müssen wir für uns Verantwortung übernehmen. Jeder muss hier für sich selbst entscheiden. Mitunter sind unterschiedliche Kombinationen für die Partnerin bzw. den Partner erforderlich.

Unsere IBG Empfehlung: Gehen Sie gemeinsam mit Ihrem Partner oder einer Person Ihres Vertrauens in ein Möbelgeschäft und testen Sie die unterschiedlichen Angebote und Varianten. Lassen Sie sich nicht von Angeboten oder Weltneuheiten locken, versuchen Sie auf sich und Ihr Gefühl zu hören. Achten Sie dabei unbedingt auch auf die Grundregeln – Ihre Begleitung kann Sie dabei unterstützen: Ist die Wirbelsäule in der Seitenlage auch gerade? Lassen Sie dazu wirklich Ihre Wirbelsäule entlang der Dornfortsätze abtasten. Überprüfen Sie weiters, dass in der Rückenlage überall entlang der Wirbelsäule der gleiche Duck vorhanden ist und keine Hohlräume spürbar sind. Nutzen sie auch die Umtauschmöglichkeiten. Die Einstellungen sollten in der hauptsächlichen bzw. beliebteren Schlafposition vorgenommen werden, die Anpassung für die andere Schlafposition wird so zum Großteil auch mitabgedeckt. Abgesehen von diesen Maßnahmen, kann es in der Seitenposition zudem sinnvoll sein zwischen den Knien einen Polster oder einen Teil der Decke zu platzieren, um ein Eindrehen des Beckens zu verhindern. Je höher der Leidensdruck bereits ist, umso wichtiger ist es noch genauer auf die richtige Einstellung zu achten und die Kombination Matratze/Lattenrost/Polster perfekt aufeinander abzustimmen. Um beides in die für Sie „richtige“ Ebene zu bekommen, kann u.a. auch das Einlegen von Handtüchern an jenen Stellen, wo der Körper zu sehr in der Matratze versinkt, helfen. Das Schlafen auf dem Bauch bewirkt durch die notwendige Drehung in der Halswirbelsäule eine hohe Belastung ebendort, besonders natürlich dann, wenn der eigene Beruf diesen Bereich tagsüber zusätzlich fordert. Dies betrifft vor allem sitzende Berufe – hier kommt die Halswirbelsäule den ganzen Tag nicht zur Ruhe, durch das Liegen auf dem Bauch gelingt auch keine Erholung in der Nacht. Abhilfe kann hier ein Seitenschläferpolster schaffen, wodurch der Körper ein wenig aufgekippt und so die Drehung in der Halswirbelsäule reduziert wird. Einen wesentlichen Einfluss hat auch der Kopfpolster, der in der Seitenlage die Distanz zwischen Ohr und Schulter abdecken und in der Rückenlage den Bereich zwischen Hinterhaupt und Matratze ausfüllen soll. Die Art (ob befüllt oder vorgeformt) hängt ganz von den eigenen Vorlieben ab. Manche „stopfen“ ihren Polster auch gerne selbst in die richtige Form.

Fazit: Um für sich selbst das möglichst beste Schlafsystem zu finden, lohnt es sich auf jeden Fall genügend Zeit einzuplanen und unterschiedlichste Modelle zu testen. Ein Tipp zum Schluss:
Den eigenen Polster auch in den Urlaub mitnehmen – das steigert den Erholungswert!

Die menschenleere Fabrik? Die 4. Industrielle Revolution

Ein Gespenst geht um in Europa: Industrie 4.0 – „die menschenleere Fabrik“. Viel Phantasterei, viel Unsinn wird geschrieben und verbreitet. Was ist die Realität?

„Industrie 4.0“ meint in Wahrheit die vierte industrielle Revolution. Die erste war der Einsatz von Wasser und Dampf, um menschliche Kraft zu ersetzen. Die zweite war die Elektrifizierung, um auch menschliche Wahrnehmung zu ersetzen. Die dritte war die Computerisierung der Maschinen, um menschliches Denken zu ersetzen. Mit der vierten steht die Vernetzung der Maschinen an, um Kommunikation in der Zusammenarbeit zu ersetzen. Jede industrielle Revolution ersetzt Komponenten menschlicher Arbeit. Das ist gut so, denn es gibt gefährliche, ermüdende, monotone oder sehr schwere Aufgaben in der Arbeit. Diese zu ersetzen könnte Menschen freispielen, um interessantere, gesündere und wichtigere Aufgaben zu übernehmen. Sie könnte die Produktion menschengerechter gestalten lassen.

Die industrielle Weggabelung teilt sich in kosten- oder menschengetriebene Rationalisierung, wobei eine humanökologische Rationalisierung langfristig die besseren und besten wirtschaftlichen Resultate bringt (siehe Buch: Karazman R.: Human Quality Management. Springer, 2014).

Mythos der menschenleeren Fabrik

„Industrie 4.0“ entspringt dem Konkurrenzkampf um Kunden. Die Vision ist, ein Unikat genauso billig zu produzieren wie ein Produkt in hoher Stückzahl. Diese Individualisierung der Industrie-Produktion wäre dank IT- und Internet-Technologie möglich, da die menschlichen Denkaufgaben und Entscheidungen die Maschinen unter sich ausmachen können. Daraus entspringt der Albtraum der menschenleeren Fabrik. Die neuen Kommunikationstechnologien erlauben vieles im Produktionsprozess zu automatisieren. Aber dazu braucht es viel Menscharbeit und vor allem Zeit: „Die Heterogenität und Investitionsumfänge der Betriebsmittel, Maschinen und IT-Strukturen sowie der Vernetzungs- und Kommunikationsstandards im Produktionsumfeld führen dazu, dass die Produktion einen Umbruch nicht innerhalb von fünf Jahren erfahren wird. Dies passiert eher in einem Zeitraum der nächsten 20 Jahre.“(1) Die Automatisierung von Kommunikation und Entscheidung einerseits, und die wirtschaftlich rentable Flexibilisierung der Produktionsprozesse andererseits, sind ein langer Weg, denn wir Menschen verarbeiten enorme Komplexität. Diese zu automatisieren hat technische und wirtschaftliche Grenzen:

„Die Automatisierung hat gerade in der Flexibilität ihre Grenzen. Wenn wir vollautomatisch hochflexiblen Output erzeugen wollen, überschießt die Komplexität. Das bringt hohe Investments und begrenzte Verfügbarkeit mit sich. Deshalb werden wir besser zugeschnittene Automatisierung mit flexibler Verknüpfung durch Menschen einsetzen.“(1)

Der Mensch ist unersetzbar

Damit die gute Nachricht zuerst: Der Mensch ist unersetzbar! „Anders als bei CIM (Computer-Integrated Manufacturing), wo versucht wurde, alles „mannlos“ zu bewerkstelligen, werden die Beschäftigten als Erfahrungsträger und Entscheider ganz bewusst in alle relevanten Abläufe der Smart Factory von Industrie 4.0 integriert.“(1) Da die Menschen keine Ressource, sondern Source der Wertschöpfung sind, sollen die Produktionsprozesse nicht nur auf höchstem technologischem Level gestaltet werden, sondern auch auf höchstem human- und arbeitswissenschaftlichem Niveau. Dazu hilft das humanökologische Modell der Arbeit und der Human Quality Management-Ansatz, die Industrie 4.0 in „Mensch 4.0“ wandeln, als Vision einer besseren Arbeitswelt dank Technologie.

Der Weg zu Mensch 4.0

Vier technologische Elemente bilden den strukturellen Kern des Industrie 4.0-Konzepts:

  1. Das Internet der Dinge (Vernetzung der Maschinen mittels Internet)
  2. Sensorik und Big Data (Auswertung vieler Daten für Kontrolle und Entscheidung)
  3. Technische Assistenz-Systeme (Kognitive Routinen und Unterstützungsapparate)
  4. Cyberphysical Systems (Roboter mit Artificial Intelligence)

Diese Kernstrukturen erlauben humanökologische Arbeitsgestaltung in neuer Qualität: Rund ein Drittel der Mitarbeiter sind 50 Jahre und älter. Das energy@ work-Programm hat sich besonders gut auf diese Mitarbeiter ausgewirkt, die Führungskräftebewertung verbessert und die Lebensbalance der Mitarbeiter gestärkt. Das Internet der Dinge wird „Internet der Zusammen-Arbeit“. Arbeitsanforderungen könnten entsprechend der Arbeitsfähigkeit auf Menschgröße 1 individualisiert werden, sodass die Arbeitsbeanspruchung im Optimum bleiben kann. Andererseits könnten Prozesse je nach aktueller Team-Zusammensetzung flexibilisiert werden. Informationen, Erfahrungen, Wissensmanagement und Learned Lessons können besser weitergegeben und in die Routine integriert werden. Sensorik und Big Data dienen dem humanökologischen Monitoring, um das Arbeitsvermögen bestmöglich zu sichern, zu steuern und zu bereichern, Grenzen und Pausen zu setzen sowie Hinweise für Personalentwicklung und Qualifikation zu geben. Müdigkeit, Konzentration und Qualität können erhoben und rückgekoppelt, gestauter Ärger kann niederschwellig verarbeitet werden. Technische Assistenz-Systeme werden „social support“ und machen komplexe Herausforderungen leichter bewältigbar, bereiten Entscheidungen besser vor. Cyberphysische Apparate können schwere, gefährliche oder monotone Arbeiten abnehmen bzw. durch schnelles Tempo den Zeitdruck nehmen. Der IBG-Ansatz Human Quality Management ist geeignet, die Industrie 4.0-Vision für eine Humanisierung der Arbeitswelt zu nutzen. Entscheidend ist, ob die Politik Rahmenbedingungen setzt und die Unternehmen trotz globalem Konkurrenzkampf zu „Mensch 4.0“ führt.

(1) Studie Frauenhofer-Institut „Produktionsarbeit der Zukunft – Industrie 4.0“

 

Autor
Rudolf Karazman