Schlagwort: gute Arbeit

Cabin ready for Health

Ganzheitliches Gesundheitsmanagement für das fliegende Kabinenpersonal.

Die Austrian Airlines Group (AUA) ist Österreichs führende Fluggesellschaft und fester Bestandteil von Lufthansa, Europas größter Airline-Gruppe. Über 6.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gewährleisten rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr technische Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und exzellente Serviceleistungen.

In den letzten Jahren wurden zahlreiche tiefgreifende Veränderungsprozesse durchgeführt, wodurch besonders die Flugbegleiterinnen bzw. Flugbegleiter immer wieder vor größeren Herausforderungen stehen. So war es der Austrian Airlines Bereichsleiterin Cabin Operations, Vera Renner, besonders wichtig, ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement zu implementieren, um damit nicht nur die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nachhaltig zu fördern, sondern auch Präventivmaßnahmen zur Gesunderhaltung zu installieren. Zu diesem Zweck wurde in enger Abstimmung mit dem Führungsteam, dem ärztlichen Dienst, der Belegschaftsvertretung und der Geschäftsführung sowie in Kooperation mit IBG das geförderte Projekt „Cabin ready for Health: Ganzheitliches Gesundheitsmanagement für das fliegende Kabinenpersonal“ ins Leben gerufen.

„Unsere Mitarbeiter sind der entscheidende Grund, weshalb wir immer mehr Menschen für Austrian begeistern können. Sie leisten täglich hohen persönlichen Einsatz und bilden mit ihrer unterschiedlichen Geschichte ein starkes Team“, unterstreicht Roswita Klade, Director Cabin Crews und Projektleiterin des Gesundheitsmanagements Kabine die Wichtigkeit dieses Projekts.

Ziele sind die Sensibilisierung und das Empowerment der Cabin Crew in Bezug auf die eigene Gesundheit, transparente und positive Kommunikations- und Informationsstrukturen, die Reduktion psychischer und physischer Belastungen sowie Verbesserungen in Arbeitsbewältigung, Arbeitsinteresse und Zusammenarbeit durch gesunde Arbeitsbedingungen.

Die Gesamtanalyse bestehend aus Befragung, Fokusgruppen und Interviews, ergab sechs Handlungsfelder mit Entwicklungsmöglichkeiten, u.a. in Dienst- und Urlaubsplanung, Crew-Essen, Uniform und Kälteschutz sowie einer nachhaltig gesunden Unternehmenskultur, aufbauend auf Vertrauen, Miteinander und Stabilität. Im Rahmen eines Maßnahmenworkshops wurden entsprechende Maßnahmenpakete geschnürt und in den letzten Monaten und Jahren umgesetzt. Darüber hinaus stehen den Austrian-Mitarbeitern neben einer Ambulanz mit ärztlichem Dienst auch diverse Gesundheitsangebote zur Verfügung.

Nach dem Motto „Wir tragen Österreich im Herzen und immer mehr Kunden in die Welt“ ist bei Austrian Airlines das Thema Gesundheit besonders im Fokus. Die Zusammenarbeit im Projekt ist von Respekt und Wertschätzung getragen und „Cabin ready for Health“ ein erfolgreiches Pilotprojekt für andere Bereiche.

 

AutorInnen

Ina Lukl

 

Generationenbalance

Älterwerden bedeutet Veränderung.

Unternehmen wie MitarbeiterInnen stehen heute vor der großen Herausforderung einer drei (und mehr) Generationen-Arbeitswelt, in der wenig junge Arbeitskräfte verhältnismäßig spät in den Arbeitsmarkt eintreten, die mittleren Generationen immer häufiger unterbrochene Berufsverläufe aufweisen und ältere MitarbeiterInnen vielfach krankheits- oder auch motivationsbedingt zu früh aus dem Arbeitsleben ausscheiden.

Diese Entwicklung führt zu einem deutlichen Produktivitätsverlust für Unternehmen und die gesamte Gesellschaft. Und während der steigende Rationalisierungsdruck oftmals erhöhte Arbeitsintensität und Unsicherheit bezüglich der Arbeitsplatzsituation mit sich bringt, werden in Zukunft Berufstätige mit 50 und mehr Lebensjahren die größte Gruppe an Erwerbspersonen stellen. 2017 werden über eine Million ArbeitnehmerInnen in Österreich 50 Jahre oder älter sein.

Entspannt Älterwerden

Altern ist ein höchst unterschiedlicher und individueller Prozess. Die Anzahl an gelebten Jahren ist aus ExpertInnen-Sicht kein geeignetes Kriterium, um von Älteren oder Alten zu sprechen und noch weniger geeignet, die Leistungsfähigkeit von Menschen zu beurteilen. Abgesehen davon berücksichtigen viele hinderliche Vorurteile zum Älterwerden (Stichwort: Defizitmodell) kaum die persönlichen und unternehmerischen Potenziale und Gestaltungsmöglichkeiten. Zu oft steht die körperliche Leistungsfähigkeit im Vordergrund, die psychische und soziale Komponente kommt zu kurz. Entgegen weitverbreiteter Meinungen sind Ältere oftmals produktiver als Jüngere, da sie bei Aufgaben zu Wahrnehmungsgeschwindigkeit, Merkfähigkeit und Arbeitsgedächtnis geringere Leistungsschwankungen von Tag zu Tag aufweisen. Während körperliche Leistungsfähigkeit und physiologische Stresstoleranz – vor allem unter hohem Zeitdruck – mit dem Alter abnehmen, können ältere MitarbeiterInnen gleichzeitig auf ein großes Repertoire an erfolgreichen Strategien beim Wissenserwerb, Problemlösen und in sozialen Interaktionen zurückgreifen. So ist es besonders wichtig, mit dem Älterwerden die Schwere der Tätigkeit nach unten, die Schwierigkeit der Aufgaben nach oben zu korrigieren, um die MitarbeiterInnen möglichst lange interessiert im Arbeitsprozess zu halten. Nur wenn sie mit Respekt und Wohlwollen behandelt werden – und das nicht erst dann, wenn sie bereits gedanklich bzw. mit einem Fuß am Weg in die Pension sind – wird dieses Vorhaben gelingen. Denn wo ich mich wohlfühlen, da bleibe ich auch gerne. Das mag an den KollegInnen, am guten Verhältnis zu meiner Führungskraft oder an meiner Tätigkeit liegen. Im Grunde geht es um wertvolle Lebenszeit sowohl in der Arbeit als auch privat: Ich gehe gerne zur Arbeit UND ich gehe gerne nach Hause.

Um langfristig und nachhaltig gesundes Älterwerden in der Arbeitswelt zu verankern, ist ein Paradigmenwechsel, auch in den oberen Managementebenen, notwendig. Es braucht ein Umdenken, in dem Defizitbilder und Strukturen, die ein „destruktives“ Altern begünstigen, keinen Platz mehr haben. Veraltete Einstellungen, fehlender Respekt sowie mangelnde Wertschätzung gegenüber den Qualitäten älterer MitarbeiterInnen können anderenfalls zu vermehrten Krankenständen, innerer Kündigung und Frühpensionierungswünschen führen. Es liegt damit im Interesse der Unternehmen, dass der berufliche Alltag ein gesundes und produktives Älterwerden ermöglicht. Dazu braucht es eine Sensibilisierung für altersspezifische Fähigkeiten, Erfahrungen und Einstellungen sowie die Berücksichtigung der körperlichen, psychischen und sozialen Veränderungen mit dem Älterwerden. Dies gelingt vor allem durch die Anpassung der sozialen und psychischen Anforderungen, also durch Verantwortungsübergabe und Berücksichtigung altersbedingter Veränderungen bzw. körperlicher Möglichkeiten. Wichtig ist es, die Motivation der MitarbeiterInnen aufrechtzuerhalten, damit sie ihre Arbeit möglichst lange können, wollen und dürfen. Denn Älterwerden ist ein Umbau, kein Abbau.

Nachhaltige Produktivität für alle Generationen

Um ein nachhaltig hohes Arbeitsvermögen zu gewährleisten und die Potenziale der MitarbeiterInnen aller Altersgruppen erfolgreich einsetzen zu können, braucht es Fachexpertise und geeignete Analyse-Instrumente. Die demographische Entwicklung birgt viele Herausforderungen, die nicht länger ignoriert werden können. Führungskräfte werden sich auf Personalmangel, Kompetenzlücken, Wissens- und Qualitätsverlust einstellen müssen, wenn sie nicht entsprechend vorsorgen bzw. gegensteuern und Strukturen für eine generationengerechte Arbeitswelt entwickeln. Ziel ist es, die Bedürfnisse und Stärken aller Generationen in einem Unternehmen zu vereinen.

Autorin
Sabine Litschka

Ständig erreichbar?!

Was bedeutet das für Mensch und Produktivität
Verschiedene Aufgaben jederzeit flexibel erledigen zu können und das möglichst mobil, sind die neuen Herausforderungen unserer Zeit. Ermöglicht wird diese Form des Arbeitens durch Informations- und Kommunikationstechnologien, die auch zunehmend unseren Arbeitsalltag beeinflussen.

In diesem Zusammenhang wird verstärkt die ständige Erreichbarkeit von MitarbeiterInnen und auch Führungskräften außerhalb der eigentlichen Arbeitszeit durch neue technische Geräte wie Smartphones diskutiert. Die Problematik liegt dabei aber nicht nur bei den technischen Möglichkeiten, sondern auch in der zunehmenden Arbeitsverdichtung und der grundlegenden Beschleunigung und Flexibilisierung des Arbeitslebens.

Die heutige Erreichbarkeit reicht von Anrufen auf dem Mobiltelefon, die den größten Anteil ausmachen, gefolgt von Emails und SMS. Diese Entwicklung ist aus Unternehmenssicht eine Chance, jedoch gibt es bereits erste Hinweise auf negative gesundheitliche Auswirkungen. MitarbeiterInnen geben immer öfter an, unter der Informationsflut und der ständigen Erreichbarkeit zu leiden und sehen dies als eine häufige Ursache für berufsbedingten Stress.

In Studien zeigt sich ein direkter Zusammenhang zwischen ständiger Erreichbarkeit und psychischen Belastungen wie z.B. Depression oder Burnout. Die Antwortfristen, vor allem unternehmensintern werden immer kürzer, ein zeitnahes Reagieren auf Anfragen (z.B. während Meetings, nach Feierabend) wird zur Gewohnheit und oft erwartet – die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt und führt zur „Entgrenzung“.

Multifaktorielle Belastungsstruktur
Grundsätzlich ist von einer multifaktoriellen Belastungsstruktur auszugehen, in deren Rahmen Erreichbarkeit eine wichtige Rolle spielt. In der Analyse ist es nicht immer leicht ständige Erreichbarkeit klar von anderen potenziellen Belastungen abzugrenzen.

Als Vorteile dieser Flexibilisierung der Arbeit geben die MitarbeiterInnen freie Arbeitszeiteinteilung, Erweiterung des Handlungsspielraumes, ortsunabhängiges Arbeiten wie auch Identitäts- und Statusgewinn an. Doch zugleich „verlocken“ diese Möglichkeiten auch dazu, während der Freizeit einen Blick auf Arbeitsdokumente oder Emails zu werfen. Die „Entgrenzung“ beginnt. Multitasking und Dauerverfügbarkeit führen erwiesenermaßen langfristig zu Leistungseinbußen, Steigerung der Fehleranfälligkeit, Konzentrationsstörungen und der Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses. Es fördert zudem den Unruhezustand durch die Erwartung jederzeit kontaktiert werden zu können.

Handlungsbedarf für Unternehmen
Unternehmer sind gefordert hier die Balance zwischen Eindämmung möglicher gesundheitlicher Folgen und der beschriebenen positiven Potenziale flexibler Arbeitsmodelle zu halten. Dadurch ist langfristig Produktivität und Kreativität der MitarbeiterInnen gesichert. Es gibt dafür keine einheitlichen und allgemeingültigen Lösungsstrategien. Auf Unternehmensebene sind transparente Regeln für Zeiten der Erreichbarkeit und Klarheit bezüglich Erwartungen an die MitarbeiterInnen sinnvoll. Wichtig ist zu vermitteln, dass nicht alle Kommunikationskanäle immer online sein müssen oder das Einrichten von „Besuchs-“ bzw. „Offline-Zeiten“ und Vereinbarung von Reaktionszeiten innerhalb derer reagiert werden muss.

Führungskraft als Vorbild
Eine Variante wäre, dass nach Feierabend keine Emails mehr vom Server an die Dienstgeräte weitergeleitet werden oder die Abgabe des Firmenhandys und -laptops im Urlaub oder, dass Emails während dem Urlaub automatisch gelöscht werden mit dem Hinweis, dass die/der MitarbeiterIn auf Urlaub ist und die Nachricht zu einem späteren Zeitpunkt nochmals geschickt werden soll. Auch bewährt sich die Einführung einer stillen Stunde pro Woche für kreative und strategische Arbeiten oder interne emailfreie Tage, um das persönliche Gespräch wieder mehr in den Vordergrund zu rücken und dem digitalen Kontakt vorzuziehen oder auch das Ausschalten der Email-Pushfunktion und damit gezielte Email-Zeiten implementieren, um konzentriertes und fokussiertes Arbeiten zu ermöglichen.

All das sind Best Practice Beispiele mit dem Ziel, ständige Erreichbarkeit zu thematisieren und in der Unternehmenskultur zu verankern. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit, die viel beschriebene „Work-Life-Balance“, ist Grundlage für persönliches Wohlbefinden. Die Einhaltung von Pausen und Ruhezeiten gilt es in der heutigen, besonders durch stressbedingte Belastungen gekennzeichneten Arbeitswelt, wieder ins Bewusstsein zu rufen. Es zeigt sich, dass das Verhältnis von Belastung und Erholung und auch die persönliche Erholungsfähigkeit von entscheidender Bedeutung sind, sowohl für Gesundheit und Wohlbefinden als auch für Produktivität und die Häufigkeit von Unfällen.

Autorin
Regina Nicham