Kategorie: Allgemein

IBG-Vortrag in Bangkok: Wie psychosoziale Risiken die Arbeitswelt belasten

Die ICOPH gilt als einer der bedeutungsvollsten Kongresse für Gesundheitspolitik und –management in Asien: Bei der diesjährigen 4. Internationalen Konferenz für Public Health (ICOPH) trafen sich mehr als 200 TeilnehmerInnen aus 35 Ländern, in Bangkok um drei Tage lang, die aktuellsten und bedeutendsten Forschungsergebnisse im Bereich Public Health auszutauschen. Die #ICOPH  ist die führende interdisziplinäre Plattform auf diesem Gebiet. Die Veranstaltung fand 2018 unter dem Motto „Förderung von Qualität und Sicherheit im Gesundheitswesen für eine gesunde Gesellschaft“ statt. Von Seiten der IBG präsentierte IBG Gesundheitsökonomen Roland Polacsek-Ernst seine Erkenntnisse über die Reduktion psychosozialer Risiken in 31 österreichischen Unternehmen. Hier dazu eine Zusammenfassung:

Ziele: Im Rahmen der Kampagne des Europäischen Komitees der Senior Labor Inspectors  2010-2012 (SLIC) zu psychosozialen Risiken hat Österreich im Jahr 2013 das ASchG geändert. Es beinhaltet nun auch psychosoziale Risiken und zwingt Unternehmen, die Stressoren systematisch und objektiv zu evaluieren. Um diesem Gesetz zu entsprechen, wurde in über 270 Unternehmen das Psychosoziale Belastungs-Modul2 (PBM2) zur Analyse und zum Benchmarking der Stressoren eingesetzt. Maßnahmen und Anpassungen der Arbeitssituation wurden unternommen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Die Methode: Das PBM2 ist ein diagnostisches Befragungsinstrument mit 30 Fragen, das die Qualitätsanforderungen der EN ISO 10075 erfüllt. 31 Unternehmen mit 14.699 MitarbeiterInnen haben bereits die psychosozialen Stressoren mit dem PBM2 reevaluiert, um den Erfolg ihrer Interventionen und Verbesserungen der Arbeitssituation zu messen.

Ergebnisse: Alle Unternehmen konnten ihre Arbeitsbedingungen verbessern und arbeitsbedingten Stress reduzieren. Die durchschnittliche Verbesserung beträgt sieben Prozent (auf einer 100 Prozent -Skala). Die beste Gesamtentwicklung wurde mit elf Prozent in der Arbeitsumgebung erzielt, gefolgt vom Organisationsklima mit acht Prozent, den Tätigkeiten mit sechs Prozent und schließlich den Arbeitsabläufen mit drei Prozent. Die Auswirkungen verschiedener Interventionen wurden präsentiert.

Schlussfolgerung: Das PBM2 ist ein nützliches Instrument, um psychologische Interventionen zu planen und zu evaluieren. Die ersten 31 Wirkungskontrollen bestätigen die Effektivität der Maßnahmen und Schwerpunkte zur Verringerung von psychosozialen Arbeitsbelastungen. Die Änderungen des österreichischen Gesetzes und die konsequente Umsetzung durch das Arbeitsinspektorat haben die Arbeitsbedingungen bereits messbar verbessert. Außerdem beschleunigen Best-Practice-Modelle die weitere Entwicklung.

Abschließend stellte Roland Polacsek-Ernst auch noch Fallbeispiele (siehe Salzer, Brigl & Bergmeister) vor.

Arbeiten bei Hitze

Extrem lange hält die heurige Hitzeperiode bereits an. Es gibt keine gesetzliche Grundlage für Hitzeferien bei Temperaturen von 35° und darüber. Die Leistungsfähigkeit und die Konzentration lassen an heißen Tagen aber deutlich nach. Es sinkt die Qualität der Arbeit, gleichzeitig steigen die Fehlerhäufigkeit und das Unfallrisiko.

Hier ein Überblick der Regelungen, die vom Dienstgeber zu beachten sind.

Was der Dienstgeber bei großer Hitze tun kann

  • Bereitstellung geeigneter alkoholfreier Getränke
  • Abschattung vor direkter Sonneneinstrahlung
  • Abkühlung in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden nützen
  • Lockerung eventueller Bekleidungsvorschriften
  • Bereitstellen von Ventilatoren
  • Organisatorische Maßnahmen – zusätzliche Pausen, Verlagerung der Arbeitszeit, Mittagshitze meiden
  • Unterweisung in Erste-Hilfe-Leistung wie beispielsweise bei Sonnenstich, Hitzschlag, Hitzekollaps vorzugehen ist

Für Büros mit Klimanlage…

  • Sollte die Raumtemperatur in Büros zwischen 19° und 25° betragen.
  • Muss eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40% und 70% gewährleistet sein.
  • Bei Arbeiten mit normaler körperlicher Belastung, wie bei häufigem Stehen, sollte die Raumtemperatur zwischen 19° und 24° liegen.

Stehen keine Klimaanlagen zur Verfügung, müssen vom Dienstgeber alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um die Raumtemperatur abzusenken, wie beispielsweise durch nächtliches Lüften, Beschatten der Fenster, Bereitstellen von Ventilatoren sowie von gekühlten Getränken.

  • Bei Belüftung muss auf eventuelle Zugluft geachtet werden.
  • Besonderes Augenmerk ist auf werdende oder stillende Mütter, Frauen an Steharbeitsplätzen und ältere sowie gesundheitlich gefährdete DienstnehmerInnen zu legen.
  • ArbeitsmedizinerInnen, Sicherheitsfachkräfte und Betriebsräte sind ggf. zu Rate zu ziehen.

Auch Hitze kann als Schlechtwetter gelten

Nach dem Bauarbeiter-Schlechtwetterentschädigungsgesetz (BSchEG) gilt seit 01.01.2013 für Bauarbeiter, Zimmerer, Gipser, Dachdecker, Pflasterer und Gerüster auch Hitze als Schlechtwetter.
Die Kriterien der BUAK sind Folgende:

  • Stunden, in denen 35° (gemessen im Schatten) überschritten werden
  • Folgen drei Stunden mit mehr als 35° (im Schatten gemessen), so bedeutet dies Schlechtwetter für den Rest des Tages.
  • Für diese entfallenen Stunden gebührt eine Schlechtwetterentschädigung
  • Die Entscheidung, ob bei Schlechtwetter gearbeitet wird oder nicht, obliegt dem Dienstgeber.

Bei längeren Arbeiten im Freien sind zusätzliche Maßnahmen

  • Tragen von Kopfbedeckung
  • Zurverfügungstellung von Duschgelegenheiten
  • Bereitstellen von Sonnenschutzmittel, Sonnenschutzbrillen

Ohne Gegenmaßnahmen sind gesundheitliche Probleme zu befürchten. Zu hoffen ist, dass sich der Sommer in den kommenden Tagen auf Normaltemperatur einpendelt.

Herausforderungen für Jung & Alt

Generationenkonflikte, lebensphasenspezifisches Führen, alter(n)sgerechte Arbeit und Arbeitswelt 4.0: Bis zu vier Generationen treffen heute in der Arbeitswelt aufeinander. Dabei kann es zu Missverständnissen kommen.

Was sind die besonderen Herausforderungen und wie kann ihnen begegnet werden?

Was verbindet und was trennt uns wirklich? Was hilft uns und was hindert uns daran, die Vielfalt in unserer Arbeitswelt besser ein und damit auch wertschätzen zu können? Generationen, so heißt es, sind Geburtsjahrgänge, die einschneidende gesellschaftliche Ereignisse in annähernd gleichem Alter erlebt haben und daher ähnlich geprägt sind. Selbstverständlich unterscheiden sich Menschen aber im Umgang mit bedeutsamen Situationen und in der Verwirklichung ihrer Werte. So steht »Familie« in allen Generationen ganz oben auf der Werteliste, dennoch gibt es innerhalb und zwischen den Generationen erhebliche Unterschiede, wie »Familie« gelebt wird. Unterschiedliche Verhaltensweisen bedeuten also nicht unbedingt andere Werte, ebenso wie ähnliche Verhaltensweisen nicht automatisch auf gleiche Wertvorstellungen schließen lassen.

Wenn eine junge Führungskraft auf ältere MitarbeiterInnen trifft.

Entgegen dem derzeitigen Aufbrechen klassisch-hierarchischer Strukturen wird es durch die familiäre Prägung als »natürliche« Ordnung empfunden, dass Ältere Jüngere führen, begleiten und beschützen. Trifft eine junge Führungskraft auf ältere MitarbeiterInnen, kann das also eine besondere Herausforderung
darstellen. Alle Beteiligten tun gut daran, über typische Generationenzuschreibungen hinaus das jeweils situationsspezifische individuelle Verhalten sowie
die dahinter stehenden Einstellungen und Annahmen zu hinterfragen. Geht es vielleicht um implizite Regeln, wer mehr Macht, Autorität oder Ressourcen haben sollte? Wie könnte das Verhalten des Gegenübers noch interpretiert werden?

Ähnliche Lebensumstände zählen mehr als das Alter.

Auch die aktuelle Lebensphase hat bedeutsamen Einfluss auf die Einstellung und das Verhalten der Menschen am Arbeitsplatz. Ähnliche Lebensumstände haben
dabei einen markant höheren Stellenwert als das Alter oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Generation. Lebensphasenspezifisch Führen bedeutet daher, die Bedürfnisse der MitarbeiterInnen zu kennen, zu beachten und gemeinsam nach Lösungen für Herausforderungen zu suchen sowie Eigeninitiative im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe zu fördern.

Der Alterungsprozess versteht sich als Wandlungsprozess.

Einen weiteren wesentlichen Faktor für gesunde Produktivität stellt die Berücksichtigung der Veränderungen beruflicher Leistungsfähigkeit dar. Der Alterungsprozess wird dabei als Wandlungsprozess verstanden: Die geistige Leistungsfähigkeit bleibt weitaus länger erhalten als die körperliche,
beide Prozesse werden insgesamt etwas langsamer und damit einhergehend, längere Erholungsphasen erforderlich. Bei geringer Qualifikation und einseitiger, vor allem physischer Beanspruchung kann das Alter(n) im Beruf zu einem Risikofaktor werden. Ein »mitwachsendes Arbeitsleben «bedeutet dem gegenüber, dass körperliche Anforderungen, Nachtarbeit, Temperaturwechsel sowie hoher Zeit- und Termindruck möglichst reduziert werden. Komplexe und autonom zu bearbeitende Aufgaben, langfristige Projekte und Beziehungsarbeit fördern hingegen die Entfaltung des Potenzials erfahrenerer MitarbeiterInnen.

Nicht besser, nicht schlechter, sondern unterschiedlich.

Aktives Generationenmanagement orientiert sich an der Potenzialperspektive: MitarbeiterInnen unterschiedlichen Alters werden als Träger unterschiedlicher Leistungspotenziale wahrgenommen. D.h. keiner leistet besser oder schlechter, sondern die Art des Beitrags ist unterschiedlich. Altersgemischte Teams schaffen dabei eine Ausgewogenheit in Kompetenzen und Leistungsfähigkeiten. Aktive Integration steigert die Arbeitszufriedenheit und Bindung an das Unternehmen, erhöht die Lernmotivation und Bereitschaft zum Wissensaustausch sowie das Engagement und die Effektivität aller mitarbeitenden Altersgruppen.

Entspannt in den Urlaub

Der Urlaub naht und in der Arbeit noch so viel zu erledigen. Wie also schaffe ich es, Arbeitslast und Vorbereitungen vor dem Urlaub möglichst stressfrei zu bewältigen?

Hier ein paar hilfreiche Tipps für die Arbeit:

Versuchen Sie, die letzten Tage vor dem Urlaub von Terminen freizuhalten.Diese könnten länger als geplant dauern und Sie von anderen wichtigen To Do’s abhalten.

Kommunizieren Sie Ihren Urlaubsbeginn nach außen einen Tag früher als tatsächlich geplant,z.B. an KundInnen oder KollegInnen, mit denen Sie nicht direkt zusammenarbeiten. Sovermeiden Sie an Ihrem letzten Arbeitstag ständige Unterbrechungen oder eineunvorhersehbare Arbeitsflut.

Erledigen Sie alle wichtigen und dringenden Aufgaben so gut es geht vor Ihrem Urlaub.Insbesondere das, was Sie nicht delegieren können. Weisen Sie rechtzeitig auf IhrenUrlaub hin, bitten Sie KollegInnen, Ihnen früh genug Bescheid zu geben, sollten sienoch etwas Dringendes von Ihnen benötigen.

Wer auch im Urlaub dauerhaft erreichbar ist, hält sein Gehirn im Aktivitätsmodusunter Dampf, was die Erholung erschwert. Ist ein dauerhaftes Abschalten vonLaptop und Handy absolut nicht möglich, hilft es, feste Zeiten festzulegen, in denendie Mailbox abgehört und Mails beantwortet werden.Der Rest des Tages ist dann wirklich Urlaub.

Wir wünschen Ihnen einen entspannten Start in den Urlaub!

 

 „Lange Arbeitszeiten machen krank, die Menschen sind keine Maschinen“

SPÖ Parlamentsklub
SPÖ Parlamentsklub
Die Gesundheitssprecherin Pamela Rendi-Wagner hat in einer Pressekonferenz mit renommierten Arbeitsmedizinern die 60-Stunden-Woche thematisiert. Die Einschätzung ist eindeutig: Lange tägliche Arbeitszeiten machen krank, wenn sie nicht durch eine drastische Verringerung der Wochenarbeitszeit ausgeglichen werden.

Am 3. Juli hat die Gesundheitssprecherin Pamela Rendi-Wagner in einer Pressekonferenz mit den renommierten Arbeitsmedizinern Prof. Rudolf Karazman und Prim. Dr. Erich Pospischil sowie dem Psychiater Prim. Georg Psota lange Arbeitszeiten erörtert. Eine „Entgrenzung der Arbeitszeit“ wird direkt mit der Gesundheit der Menschen bezahlt und mit höheren Kosten im Gesundheitssystem und für Frühpensionen.

Rendi-Wagner sorgt für das, was ihrer Meinung nach die Regierung unbedingt vermeiden möchte, nämlich eine tiefergehende Diskussion mit ExpertInnen darüber, was die 12 Stunden Tages- und 60 Stunden Wochenarbeitszeit für die Gesundheit der Menschen bedeutet.

„Wir wissen, dass überlange Arbeitszeiten krank machen. Aus dem einfachen Grund, weil die Menschen keine Maschinen sind. Der Mensch hat natürliche Leistungsgrenzen, die man respektieren muss“, sagte die SPÖ-Gesundheitssprecherin, die selbst auch Ärztin ist. „Menschen sind keine Maschinen, die man einfach auf eine längere Betriebszeit einstellen kann.“

Sie verlangt vom ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz, der sich prioritär mit dem Grenzenschließen beschäftigt, dass er endlich die sozialen und gesundheitlichen Grenzüberschreitungen seines Arbeitszeitgesetzes erkennt. Rendi-Wagner: „Wo ist die soziale Grenzschutzsicherung?“

Arbeitsmediziner warnen vor 60-Stunden-Woche​

Der Primararzt Erich Pospischil ist Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Facharzt für Arbeits- und Betriebs- sowie Innere Medizin. Er sagt, aus arbeitsmedizinischer Sicht geht es immer auch um den Erhalt und die Förderung der Arbeitsfähigkeit. Die Ausweitung der Höchstarbeitszeiten auf 12 Stunden am Tag und 60 Stunden die Woche werde „eine Fülle von Problemen“ verursachen, die bis jetzt wenig diskutiert wurden. Er warnte vor erheblichen Nachteilen bis hin zu Erkrankungen der ArbeitnehmerInnen.

Die Evidenz des Studienmaterials sei „erdrückend“, sagte Pospischil. Je länger die Arbeitszeiten, desto höher ist das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Herzrhythmusstörungen und Schlaganfälle. Die Auswirkungen verschärften sich noch einmal mit dem Alter der Arbeitnehmer und der Belastung (körperlich und psychisch). Negativ dürfte sich das Plus bei der Arbeitszeit auf die Lebensarbeitszeit und das Pensionsantrittsalter auswirken, die krankheitsbedingten Frühpensionierungen würden dadurch wieder zunehmen.
„Eine Entgrenzung der Arbeitszeit gefährdet die Gesundheit und die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten“​

Professor Rudolf Karazman, Arbeitsmediziner und Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, sagt, dass eine Mehrheit der ArbeitnehmerInnen schon heute „im gelben und roten Bereich“, was ihre körperliche und psychische Belastung betrifft, arbeiten. Denn schon innerhalb der Grenzen des geltenden Arbeitszeitrechts sei die Arbeitsintensität durch Verdichtung, Beschleunigung, Technologie und Deregulierung sehr hoch. „Eine Entgrenzung der Arbeitszeit gefährdet die Gesundheit und die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten“, sagt Karazman.

Der Experte machte klar, dass einerseits die Erschöpfung mit jeder weiteren Arbeitsstunde immer größer wird – „ab der siebenten und achten Stunde kracht es schon“. Bei 12 Stunden werde die Erschöpfung maximiert – und da kommt das dazu, was der Wissenschafter „sozial wirksame Arbeitszeit“ nennt, also die Zeit, die man nach so langen Arbeitszeiten für die Erholung braucht, wird auch immer länger. Das heißt, wenn schon eine freiwillige 12-Stundenarbeit, dann nur in Kombination mit einer 30-Stundenwoche.

Auch Karazman machte klar, dass für ältere Arbeitnehmer die langen Arbeitszeiten ein Riesenproblem darstellen: „Acht Stunden Nachtarbeit mit 50 sind so anstrengend wie 16 Stunden Tagarbeit.“ Für ältere Arbeitnehmer gelte in besonderem Maß, wenn eine hohe tägliche Arbeitszeit nicht durch eine niedrige Wochenarbeitszeit ausgeglichen wird, wird das letztlich die krankheitsbedingten Frühpensionierungen in die Höhe treiben.

Lange Arbeitszeiten führen zu Depressionen

Der Past Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Chefarzt Prim. Dr. Georg Psota, warnt davor, dass länger arbeiten, das Auftreten von psychischen, insbesondere von Depressionen und Angststörungen, und körperlichen Erkrankungen nachweislich erhöht. Dass 60-Stundenwochen über längere Zeiträume die Gesundheit gefährden, sei aus der wissenschaftlichen Datenlage unzweifelhaft. In ganz Europa sei die zunehmende Zahl von Invaliditätspensionen aufgrund psychischer Erkrankungen ein Riesenthema.

Denn während Personen Mitte 20 – „young, free and single“ – gelegentliche längere Arbeitszeiten leichter wegstecken, schaue es 20 Jahre später für Menschen mit Betreuungspflichten sehr schnell ganz anders aus, da bedeuten lange Arbeitszeiten permanent gesundheitsschädlichen Stress. „Das Toxin der heutigen Zeit ist Stress“, sagt Psota. „Chronischer Stress ist kein Spaß; wir sind da heute schon an der Grenze“, so der Experte.

Greenpeace: Action against Air Pollution in Vienna

Glückliche MitarbeiterInnen bei Greenpeace

Seit fast 50 Jahren steht Greenpeace für den Schutz der Lebensgrundlage von Mensch und Natur und eine verantwortungsvolle Zukunftssicherung. Ziel ist es den Status Quo des globalen und lokalen Umweltschutzes immer wieder aufs Neue herauszufordern. Unabhängigkeit, Gewaltfreiheit und internationale Zusammenarbeit sind dabei wesentliche Grundsätze.

Alleine bei Greenpeace Zentral- und Osteuropa arbeiten über 180 MitarbeiterInnen an diesen Zielen. In Wien, dem Headquarter für CEE, entwickeln und koordinieren über 80 MitarbeiterInnen die Kampagnen und Aktionen für diese Region. Aufsehen erregte man zuletzt beispielsweise mit einer Kampagne zu Palmöl und Glyphosat.

Die MitarbeiterInnen-Befragung im Rahmen der Evaluierung psychischer Belastungen zeigte neben erfüllenden, erfreulichen und glückbringenden Seiten der Arbeit bei Greenpeace auch die Herausforderungen und Belastungen auf. Wesentlich für viele MitarbeiterInnen ist das Gefühl für „die gute Sache“ zu kämpfen und zu erleben, dass die tägliche Arbeit einen Unterschied macht. Ziele und Erfolge sind daher ein bedeutender Teil der erfüllenden Arbeit bei Greenpeace. Wichtig ist für die MitarbeiterInnen die Zusammenarbeit in den Teams und dem internationalen Netzwerk. Dabei spielt nicht nur eine Rolle, dass man gemeinsam etwas bewegen kann, sondern auch die gemeinsame kritische Auseinandersetzung mit umweltpolitischen Themen wird geschätzt. Vielfach werden auch die abwechslungsreiche Arbeit und die Offenheit für neue und kreative Ansätze lobend erwähnt. Nicht zuletzt ist es für viele MitarbeiterInnen von Greenpeace wichtig, dass Sie mit Menschen im Rahmen von Kampagnen, Fundraising oder SpenderInnenkontakten zusammenarbeiten.

Diese positiven Aspekte der Arbeit helfen den MitarbeiterInnen auch immer wieder die herausfordernden Seiten der Arbeit bewältigen zu können. Beispielsweise verlangen Kampagnen den MitarbeiterInnen viel Flexibilität und hohen Einsatz ab. Zunehmend wird es auch wichtiger, auf tagesaktuelle Ereignisse zeitnah zu reagieren, was eine große Herausforderung an die Agilität der Organisation darstellt. Immer wieder wirken Umweltkatastrophen und umweltpolitische Entscheidungen emotional belastend auf die MitarbeiterInnen.

In fünf Fokusgruppen wurden die Ergebnisse der MitarbeiterInnen-Befragung weiter bearbeitet und maßgenschneiderte Schwerpunkte entwickelt. Regional Director People & Culture Stephan Spatt meint dazu: „Die Ergebnisse der Befragung haben uns gezeigt, wo wir noch besser werden können und haben uns bei unserem Personal- und Organisationsentwicklungsprozess wesentlich unterstützt. Ich freue mich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so engagiert in die Fokusgruppen gegangen sind und wir diese positive Energie zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der guten Arbeitsatmosphäre bei Greenpeace CEE nutzen können.“

Das sind die Gesundheits-Kosten des 12-Stunden Arbeitstages

Der Initiativantrag der Regierung will den 12-Stunden-Arbeitstag auf einfache Anordnung des Arbeitgebers ermöglichen. Die Gesundheitskosten steigen ab der 8. Arbeitsstunden exponentiell.

Die Regierung hat ihre Pläne für eine flexibilisierte Arbeitszeitgesetzgebung per Initiativantrag vorgestellt. Die Kernpunkte:

  • Die Höchstgrenze der Arbeitszeit wird auf zwölf Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche angehoben – und zwar auf alleinige Anordnung des Arbeitgebers. Derzeit ist das nur in Ausnahmefällen erlaubt.
  • Es ist vorgesehen ist, dass Arbeitnehmer Überstunden „aus überwiegenden persönlichen Interessen“ ablehnen können. Diese Möglichkeit besteht, wenn die Tagesarbeitszeit von zehn Stunden oder eine Wochenarbeitszeit von 50 Stunden überschritten wird.
  • Die verordneten Überstunden kann man nur aus „überwiegenden persönlichen Interessen“ ablehnen. Empfindet der Arbeitgeber die Ablehnung als ungerechtfertigt, kann er Arbeitsverweigerung unterstellen und den Mitarbeiter entlassen. Es werden letztlich Arbeitsgerichte klären, ob das private oder betriebliche Interesse gewichtiger war.

Was als Arbeitszeit-Flexibilisierung diskutiert wird, gleicht im Initiativentwurf keiner Flexibilisierung, sondern einer – zumindest unter besonderen Konstellationen – Arbeitszeit-Verlängerung.

Reduktion auf 30h-Wochenarbeitszeit
Aus arbeitsmedizinischer Sicht ist eindeutig: Die gesundheitlichen Belastungen für den Arbeitnehmer werden durch das geplante Gesetz höher. Es fehlen die Wahlmöglichkeiten der MitarbeiterInnen und die entsprechende Erholungszeit. Der Verweis auf eine 4-Tage-Woche bei 40 Wochenarbeitsstunden ist dabei nicht ausreichend. All unsere Studien und Beobachtungen über 30 Jahre unterstreichen, dass regelmäßige 12-Stunden-Dienste aus gesundheitlicher Sicht mit einer 30 h Wochenarbeitszeit verbunden werden müssen.

Belastung steigt exponentiell
Als Facharzt für Arbeitsmedizin und auch als Unternehmer habe ich nicht den Eindruck, dass in der aktuellen Regierungsvorlage den sozialen und arbeitsmedizinischen Aspekten jener Raum eingeräumt wird, den diese benötigen. Die vorliegende Gestaltung des Themas „Arbeitszeitflexibilisierung“ kann auf längere Sicht nicht gut gehen, weil die menschliche Verausgabung mit der Arbeitsdauer steigt – und zwar exponentiell. Ohne entsprechend verlängerte Erholungszeit sind vorzeitige Arbeitsunfähigkeit, zunehmende Krankenstände, steigende Gesundheitskosten und vorzeitige Pensionierungen programmiert. Derartige Ausgleichsmaßnahmen fehlen in der Diskussion derzeit völlig. Es geht bei der Thematik nicht nur um geldwerte Balance.

Die Kosten fressen die Vorteile
Ich prognostiziere, dass der wirtschaftliche Vorteil der ausgedehnten Arbeitszeiten durch die verringerte Produktivität der zehnten oder 12. Arbeitsstunde zunichte gemacht werden wird – von den volkswirtschaftlichen Kosten einmal ganz abgesehen.

Bei Dauerbelastung unübersehbare Schäden
Die neue Arbeitszeitregelung erlaubt bis zu 13 Wochen mit 60 Stunden in Folge, bevor die EU-Beschränkung von 48h in 17 Wochen wirkt. Bisher waren unter erheblichen Auflagen – und daher sehr selten vorkommend – nur max. acht Wochen in Folge möglich. Auch die scheinen arbeitswissenschaftlich schon sehr problematisch. Unter günstigen Umständen – wenig belastende Arbeit, keine persönlichen Faktoren, die die Belastung intensivieren (z.B. Alter, Chronotyp), stressfreies Umfeld (z.B. Kinderbetreuung, …) – sind wahrscheinlich auch ein paar Wochen derartiger Arbeit vertretbar.
Fällt aber nur eine dieser günstigen Bedingungen weg, steigen die Belastungen rapide. Das gilt insbesondere bei Schichtarbeit. Einzelne zwölf-Stunden Schichten sind z.B. bei kurzfristigem Krankheitsausfall oder bei nicht risikoreicher Arbeit aus arbeitsmedizinischer Sicht vielleicht möglich. In vielen Fällen jedoch ist bereits eine Woche – insbesondere bei Nacht – oder gar viele Wochen hintereinander eine Ausdehnung der Schichtarbeitszeit als arbeitsmedizinisch sehr schlecht zu beurteilen (Schlafdefizite, Überlastung, soziale Schwierigkeiten, Unfallgefahr).

Keine Flexibilisierung für Mitarbeiter
Eine echte Flexibilisierung bietet den Mitarbeitern Wahlmöglichkeiten zwischen kurzen und längeren Diensten, zwischen gängiger und kürzerer WAZ, zwischen Normal-Urlaub und XXL-Urlaub. Echte Optionen für die Belegschaft sind DER Hebel, um Stress, Krankheit und Frühpension zu vermeiden und Produktivität und Qualität zu verbessern. Die Präferenz für eine Arbeitszeit-Form lässt die Arbeit leichter bewältigen, wie ich und meine Mitarbeiter in etlichen Untersuchungen nachweisen konnten.

Nicht noch mehr Arbeitsstunden
Eine Ausweitung der Arbeitszeit ist nach Möglichkeit zu verhindern. Gegenwärtig ist der Druck durch Rationalisierung und Optimierung die Arbeitsintensität schon beim bisherigen Arbeitstag meist an der Grenze. Die hohe Rate an Burn Out belegt dies. Eine nicht ausbalancierte Ausweitung des Arbeitstages erhöht das Risiko von Krankheit und Frühpension. In vielen Berufen ist eine kürzere Dienstzeit anzuraten, z.B. Intensiv-Krankenpflege, Nachtarbeit, ÖPNV-Fahrer, Lehrer.

12-Stunden Tag braucht 30-Stunden-Woche
Die Verausgabung steigt exponentiell mit der Dauer des Arbeitsalltages. Eine Ausweitung des Arbeitstags verlangt daher deutlich mehr Erholungszeit als Teil der sozial wirksamen Arbeitszeit. Eine Ausweitung des Arbeitstages muss durch gleichwertigen Zeitausgleich kompensiert werden. Regelmäßige 12-Stunden-Dienste sollten mit einer 30h WAZ verbunden werden. In die sozial wirksame AZ sind auch Wegzeit, Auf- und Abrüstzeit, Vorbereitung etc. miteinzurechnen, damit das wahre Ausmaß zeitlicher Anstrengung realistisch berechnet und genügend Regenerationszeit geplant werden kann.

Evaluierungen der Entwicklungen
Es braucht ein humanökologisches Monitoring des Arbeitsvermögens und der gesundheitlichen Qualität der Arbeitsprozesse, damit chronische Fehlanforderung und Stress, Krankheit, Frühpensionen und Produktivitätsverluste vermieden werden. Insbesondere Arbeitszeit-Veränderungen brauchen Mitsprache, Bewusstseinsbildung und Zustimmung sowie im ersten Jahr engere Evaluierung, um für Mitarbeiter wie Unternehmen gute Wege zu ebenen.

Funktionierende Beispiele
Ich habe viele Arbeitszeit-Flexibilisierungsprojekte in Österreichs Unternehmen begleitet. Heute arbeiten zehntausende Schichtarbeiter z.B. mit optionalen Schichtplänen, d.h. sie verfügen über eine Wahlmöglichkeit der Wochenarbeitszeit oder Dienstlänge. Dies bringt wirkliche Flexibilisierung:

  • voest-alpine/Stahl Linz
  • Agromelamin Linz (heute AMI Linz)
  • Polyfelt Gesosynthetics
  • Nettingsdorfer Papierfabrik
  • KAV Krankenanstaltenverbund Wien
  • Münchner Verkehrsbetriebe

Ich habe dazu mehrere Bücher und wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht:

  • Das Buch „Gesunde Arbeitszeiten im Pflegeberuf“ (Hg. Generaloberin Charlotte Staudinger (KAV) und Prof. Rudolf Karazman (IBG)) befasst sich mit der Gesundheitsverträglichkeit von 12-Stunden-Schichten und ihr Effekt auf Lebensqualität und Leistungsfähigkeit.
  • Die Beratungs-website www.arbeitundalter.at von IV, AK, ÖGB und WKO wurde von mir entwickelt und enthält viele evaluierte Fallbeispiele von AZ-Flexibilisierung.
  • Im Buch „Human Quality Management–Menschengerechte Unternehmensführung“ beschreibe ich Kriterien, Wege und Beispiele für gesundheitsfördernde AZ-Gestaltung.
  • div. wissenschaftlichen Publikationen

Dies sind Empfehlungen aus mehr als 20 Jahren wissenschaftlicher Arbeit und betrieblichen Praxisprojekten. Kurzsichtige betriebswirtschaftliche Maßstäbe reichen nicht, um der Ressource Mensch gerecht zu werden.

So bleiben Arbeitnehmer im Arbeitsprozess

  • Altersteilzeit sollte nur gleitend in Anspruch genommen werden dürfen, und nicht mehr als Block.
  • Statt Senioritätsprinzip oder Zulagen wäre eine Arbeitszeit-Reduktion gesundheitsverträglicher.
  • Statt Steuerbegünstigung für Überstunden sollte die Ausweitung des MA-Pools gefördert werden.
  • Die Zahl an Überstunden sollte mit 5h/Woche begrenzt sein.

Autor
Dr. Rudolf Karazman

Energiequelle Schlaf

IBG beschäftigt sich nicht nur mit der Gestaltung von gesunden Arbeitsplätzen, sondern auch mit der Wechselwirkung zwischen betrieblichem und persönlichem Wachstum. IBG will eine humane und wirtschaftliche Arbeitswelt gestalten.

Eine wichtige Voraussetzung für einen energiegeladenen (Arbeits-)tag ist eine erholsame Nachtruhe. Da wir etwa ein Drittel unseres Lebens schlafen und der Schlaf eine wesentliche Energiequelle für uns darstellt – nicht nur geistig, sondern auch körperlich – ist dieses Thema besonders wichtig für ein gesundes Leben.

Jeder von uns kennt es – wir haben schlecht geschlafen, aus welchem Grund auch immer, der nächste Tag gestaltet sich mühsam und ist schwerer zu bewältigen.

Ziel eines erholsamen Schlafes ist es einerseits die Muskulatur zu entspannen und andererseits die Bandscheiben möglichst zu entlasten.

Um dies zu erreichen, gibt es drei Grundregeln:

  • In der Rückenlage soll die Wirbelsäule ihre Doppel-S-Form beibehalten
  • In der Seitenlage soll die Wirbelsäule eine gerade Linie bilden
  • In der Früh soll jede/r das Gefühl haben, dass er ohne Schmerzen und erholt aufwacht.

Das optimale Schlafsystem: Es kommt nicht auf das Modell oder den Preis an. Wir haben das Glück, dass es im Bereich Lattenrost/Matratze/Kopfpolster sehr viele unterschiedliche Modelle gibt, die auch unterschiedliche Bedürfnisse abdecken. Das macht natürlich die Auswahl durch den Nutzer/die Nutzerin nicht einfacher, aber erhöht die Chance die geeignete Schlafkombination zu finden. Diese besteht immer aus einer Kombination von Lattenrost UND Matratze UND Kopfpolster.

Wichtig bei der Auswahl ist, dass wir uns entsprechend Zeit zum Ausprobieren nehmen, schließlich verwenden wir eine Matratze etwa zehn Jahre, der Zeitaufwand zahlt sich damit auf jeden Fall aus.

Unsere Empfehlung – gehen Sie mit Ihrem Partner/Partnerin oder einer Person Ihres Vertrauens in ein Möbelgeschäft und testen Sie die unterschiedlichen Angebote und Varianten mit den unterschiedlichsten Einstellmöglichkeiten. Lassen Sie sich nicht von Angeboten oder „Weltneuheiten“ locken, versuchen Sie auf sich und Ihr Gefühl zu hören.

Achten Sie auf eine optimale Schlafposition:

  • Ist die Wirbelsäule in der Seitenlage gerade? Lassen Sie wirklich ihre Wirbelsäule entlang der Dornfortsätze abtasten.
  • In der Rückenlage soll überall entlang der Wirbelsäule der gleiche Druck vorhanden sein, es sollen keine Hohlräume spürbar sein.
  • Nutzen Sie auch die Umtauschmöglichkeiten.
  • Die Einstellungen sollten in der hauptsächlichen bzw. beliebteren Schlafposition vorgenommen werden, die anderen Schlafpositionen werden so zum Großteil auch abgedeckt.
  • In der Seitenposition können zur Unterstützung zwischen den Knien auch ein Polster oder ein Teil der Decke platziert werden, dies verhindert ein Eindrehen des Beckens.
  • Kopfpolster:
  • In der Seitenlage soll der Kopfpolster die Distanz zwischen Ohr und Schulter abdecken
  • In der Rückenlage soll der Kopfpolster den Bereich zwischen Hinterhaupt und Matratze ausfüllen und ist somit natürlich deutlich dünner
  • Wir unterscheiden zwischen zwei Modellen – vorgeformte Polster und Polster mit Füllmaterial. Hier kommt es ganz stark auch auf die individuelle Vorliebe an, manche mögen das „Stopfen“ des Polsters, manche kommen mit den vorgeformten Polstern gut zurecht.
  • Übrigens: Polster auch in den Urlaub mitzunehmen erhöht die Erholung und somit die Lebensqualität.

Je höher der Leidensdruck, umso wichtiger ist es noch genauer auf die richtige Einstellung zu achten und die Kombination Matratze/Lattenrost/Polster in die richtige Ebene zu bekommen – hier hilft zum Beispiel auch das Einlegen von Handtüchern (gerollt unter die Matratze zur Stabilisierung jener Stellen, wo der Körper absinkt).

Bauchschlafen hat durch die notwendige Drehung in der Halswirbelsäule eine hohe Belastung ebendort, besonders natürlich, wenn ein Beruf ausgeübt wird, der diesen Bereich den ganzen Tag fordert,  vor allem bei sitzenden Berufen. Hier kommt die Halswirbelsäule den ganzen Tag nicht zur Ruhe und durch das Bauchschlafen erholt sich der Körper auch nicht in der Nacht. Als Variante zur Verbesserung der Situation ist ein Seitenschläferpolster sinnvoll, der den Körper ein wenig aufkippt und die Drehung in der Halswirbelsäule reduziert.

Schlafen ist lebensnotwendig, daher ist es wichtig, dass wir unsere Erholungsphase für Körper und Geist entsprechend gut gestalten.

Dazu auch sehenswert ORF TV-Beitrag vom 10. April 2018 „Stöckl Live – Schlaf dich wach“ u.a. mit dem Ergonomie-Experten Matthias Welkens, MBA

IBG-Kunde Kapsch erhält Auszeichnung.

Bereits zum 3. Mal wurde der Linzer Standort der Firma Kapsch mit dem Gütesiegel für Betriebliche Gesundheitsförderung ausgezeichnet. IBG hat das Unternehmen durch das Programm begleitet.

Die Kapsch-Gruppe hat bereits frühzeitig erkannt, dass sich präventive Investitionen in die Gesundheit ihrer Belegschaft bezahlt machen. Mitarbeiterbefragungen bestätigen, dass Belastung, Erholung und Wertschätzung in einem ausbalancierten Verhältnis gehalten werden. Das Gütesiegel für betriebliche Gesundheitsförderung wird von der OÖGKK für exzellente Gesundheitsarbeit verliehen.

 

Nachhaltige Maßnahmen

Die Kapsch BusinessCom AG ist mit einer Niederlassung am Standort Linz Leonding vertreten. Das Unternehmen unterhält in der oberösterreichischen Landeshauptstadt seit vielen Jahren ein engagiertes Gesundheitsförderungsteam, das IBG- Arbeitsmediziner Dr. Manfred Lindorfer berät.

Die BGF-Aktivitäten im Unternehmen sind ebenso umfangreich wie vielfältig:  Die Maßnahmen reichen von Gesundheitszirkel, sozialen und sportlichen Teamaktivitäten bis hin zu Fahrsicherheitstrainings. Dazu treten flankierende Aktionen wie „Woman at Kapsch“: Frauen vernetzen und fördern einander auf betrieblicher wie privater Ebene.

 

Das Lärmproblem in Großraumbüros

Eine große soziale und gesundheitliche Herausforderung, die letztendlich erfolgreich bewältigt werden konnte, war die Lärmentwicklung in den Großraumbüros. Jahrelang wurde versucht, dieses Problem mit kleineren Maßnahmen zu lösen wie zum Beispiel mittels eigener Telefonräume, wohin sich die MitarbeiterInnen zum Telefonieren zurückziehen konnten, bestimmte Verhaltensregeln oder Telefonzeiten. Das alles hat sich aber als unpraktikabel erwiesen.  Letztendlich entschied sich das Unternehmen für einen Umbau des gesamten Bürobereichs und einen Einbau von Schallschutzwänden. Das Gesundheitsteam zieht eine positive Bilanz: hier wurde ein guter Kompromiss gefunden zwischen der notwendigen und gewünschten Kommunikation und der Möglichkeit ungestört arbeiten zu können. Diese Verbesserung der Arbeitsbedingungen sind wiederum die Voraussetzung für eine positive Entwicklung von Produktivität und Gesundheit.

 

 

Öfter einmal NEIN sagen.

Über Führungsqualität und Arbeitsvermögen.

Der Druck in Unternehmen wird immer noch mehr. Unternehmen X zum Beispiel ist eines der profitabelsten Unternehmen in Österreich. Aber das hat offensichtlich seinen Preis. Auch wenn auf der einen Seite ein sagenhafter Gewinn steht, wird gleichzeitig aus den MitarbeiterInnen noch mehr herausgepresst, noch mehr gespart, Abläufe noch effizienter gestaltet. Bei den Gewinnzahlen wäre das nicht nötig – wohin soll das führen?

Das hat Auswirkungen bei den MitarbeiterInnen. Sie kommen in die Ambulanz. Auch KollegInnen, die die MitarbeiterInnen eines großen Unternehmens betreuen, sagen das, da geht’s ans Eingemachte, ums Emotionale.  Der US-Management-Stil geht davon aus, dass MitarbeiterInnen prinzipiell runterziehen, erst wenn die Leute in Tränen ausbrechen wird anerkannt, dass sie das Maximum aus der Belegschaft rausgeholt haben, dass diese am Limit sind. Nachhaltigkeit kann aber nur durch das Optimum statt des Maximums erreicht werden.

Optimum statt Maximum
Optimum bedeutet jedoch auch „zurückschrauben“. Dafür halten die MitarbeiterInnen länger aus. Mitarbeiterbefragungen haben gezeigt, dass Stressfragen zunehmend schlechter bewertet werden. Der Druck, die geforderte Qualität nicht mehr liefern zu können, stresst die MitarbeiterInnen. Der Zeitdruck, immer noch mehr in der gleichen Zeit zu leisten, steigt . In großen Betrieben kann man die Arbeit noch irgendwie auf andere abwälzen. In kleinen Unternehmen tut man sich da viel schwerer. Da kollabiert das System, wenn null Reserven vorhanden sind. Früher – so vor 15, 20 Jahren – gab es noch Reserven. Heute fehlen Sie weitgehend. Und wenn noch eine Grippewelle anrollt, dann ist das Maximum gleich erreicht. Wenn das Maximum aus den MitarbeiterInnen herausgeholt wird, ist Burnout oft ein Ventil. Vor acht, zehn Jahren wurde Burnout zum Begriff, das war eine gewisse Entlastung. Dann wurde das Verhalten verändert, aber nicht die Verhältnisse. Es wurde eher darauf geschaut, die Leute stressresistenter zumachen. Dabei geht es um Führungsaufgaben.

Achten Sie auf Ihre Führungskräfte
Schauen Sie als Unternehmer auf Ihre Führungskräfte, dass die nicht ausbrennen und zynisch werden. Tun Sie etwas für Ihre mittlere Management-Ebene. Führungskräfte zu sensibilisieren, ist DIE Burnout Prävention. Wenn Führungskräfte ihren MitarbeiterInnen Rückhalt geben, auf sie schauen, sie unterstützen statt nur mit Arbeit zupflastern, sodass sich der Mitarbeiter auch noch gegen die Führungskraft wehren muss, wenn der Druck ohnehin schon so groß ist. Vor allem in US-geprägten Konzernen geht es nur um die Zahlen, nicht um die Menschen. Da geben Befehlsempfänger den Druck von oben an ihre MitarbeiterInnen ungefiltert weiter. Führungskräfte werden gekündigt, weil sie für ihre MitarbeiterInnen einstehen und sich querlegen. Das ist ein Führungsstil, der krank macht. Ist die physische Kapazität erschöpft, fehlen die nötigen Reserven, dies führt zu Dauerstress und in Folge zu Krankheit.

Vernünftige Betriebe sorgen für Reserven
Umsichtige Betriebe hingegen, oft KMUs und Familienunternehmen, die darauf aus sind, ihr Unternehmen in 20 Jahren auch noch zu haben, stellen Investitionskonzepte für 10 bis 15 Jahre auf. So haben vorausdenkende Leitbetriebe bereits vor 20 Jahren mit Projekten für alternsgerechtes Arbeiten begonnen. Ihnen geht es darum Nachhaltigkeit zu leben. Es muss kein Widerspruch sein: langfristig und nachhaltig zu planen – und dennoch wirtschaftlich höchst erfolgreich zu sein. Nicht nur die Quick Wins herauspressen …

Eine Konzernstrategie, bei der alle zwei Jahre die Manager (Geschäftsführer) ausgetauscht werden, ist nur an kurzfristigen Entscheidungen und schnellen Erfolgen interessiert. Aber es braucht fünf Jahre, bis man Ergebnisse von strategischen Entscheidungen sieht, und bis dahin sind diese Leute schon wieder weg. Hinterlassen haben sie verbrannte Erde und ein mittleres Management, das – weil das ja konstant da ist –  alles aushalten muss. Das erzeugt Stress. Und oft wird dort die Managementverantwortung nach unten delegiert.

NEIN zu Sparmeistern
Betriebliche Gesundheitsförderung wird oft nur gemacht, solange es nichts kostet, alle möglichen Fördertöpfe werden ausgeschöpft, da sind die Sparmeister am Werk. Da muss man auch als Kooperationspartner schauen, nicht ausgenutzt zu werden und NEIN zu sagen. Dieses NEIN sagen können, müssen in solchen Unternehmen auch die Mitarbeiter lernen. Es ist auch eine Generationenfrage. Die Generation 50+ tut sich da naturgemäß etwas schwer. Die jungen, 30-jährigen, haben schon ein anderes Selbstbewusstsein.

Gute Gesundheitsprojekte rechnen sich mehrfach
Gute Gesundheitsprojekte kommen dreifach zurück: Über die Motivation der Mitarbeiter, das bessere Betriebsklima und damit über den wirtschaftlichen Return On Investment. Es ist auch eine strategische Frage der Reserveplanung. Mittelbetriebe bekommen ein Problem, wenn Arbeitsprozesse von Unternehmensberatern derart optimiert werden, sodass es keine Leerläufe mehr gibt, und damit die nötigen Reserven wegfallen. Die braucht man aber, nicht nur wenn kurzfristiger Bedarf ansteht, sei es durch Krankheitsfälle oder zusätzliche Aufträge. Sondern vorbeugend, damit die Leute nicht ausbrennen. Wenn hohes Arbeitsvermögen auf gute Führungsqualität trifft, ist ein menschlich nachhaltiges betriebliches Wachstum möglich.

Wenn Sie mehr über Führungsqualität und Arbeitsvermögen erfahren möchten, IBG Experte und Arbeitsmediziner Dr. Helmut Stadlbauer steht Ihnen für weiterführende Gespräche gerne zur Verfügung.

1. Jahresforum Betriebliches Gesundheitsmanagement

Am 9.und 10. November findet das 1. Jahresforum Betriebliches Gesundheitsmanagement im Renaissance Wien Hotel statt. Es erwarten Sie hochkarätige Vortragende aus Wissenschaft und Praxis mit topaktuellen, interessanten Beiträgen.  Das Konferenzprogramm, das Themen umfasst,  wie  zum Beispiel Alkoholabhängigkeit in unserer ArbeitsweltNeu gelebte Führung, Krankenstand, Präsentismus und Unternehmenskultur  verspricht zwei informative Tage.

 

IBG präsentiert beim #WorldCongress2017

Rund 3.500 Teilnehmer aus 130 Ländern trafen sich Anfang September in Singapur auf dem XXI. Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz, einer Veranstaltung die seit 1955 alle drei Jahre stattfindet. IBG Gesundheitsökonom, Roland Polacsek-Ernst hat dort zwei Arbeits-Ergebnisse präsentiert.

  • Reduced Psychosocial Distress in Austrian Companies
  • Psychosocial Risk Factors for work related health burdens, wellbeing and workability

Sie wurden aus über 1000 Einreichungen ausgewählt.Bemerkenswert, wenn auch nicht unbedingt überraschend, war die Erkenntnis, dass Österreich bei vielen Themen eine Vorreiterrolle einnimmt. So sind zum Beispiel die Reduktion der Arbeitsunfälle sowie die Reduktion der psychischen Belastungen vorbildhaft. Viel wurde auch über die Arbeitswelt 4.0 und die einhergehenden Veränderungen für die Sicherheit und Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung diskutiert. Drei spannende Tage, und eine großartige Gelegenheit sich mit KollegInnen aus aller Welt auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.

Psychosoziale Risikofaktoren für arbeitsbedingte Gesundheitsbelastungen, Wohlbefinden und Arbeitsfähigkeit war eines der Themen der beiden Vorträge von IBG-Experten Roland Polacsek-Ernst
Reduced Psychosocial Distress in Austrian Companies war ebenfalls ein Thema, das IBG-Gesundheitsökonom Roland Polacsek-Ernst in Singapur präsentierte.
Das Interesse war groß. Mehr als 3.500 Teilnehmer aus 130 Ländern nahmen am XXI. WorldCongress in Singapur teil.